Mal was anderes, Zwangspause

Jeder hat zur Zeit eine gewisse Angst, wenn nicht gar Panik. Das ist alles in Ordnung und auch zutiefst menschlich. Aber war das nicht schon immer so?  Meine Grosseltern hatten Angst vor Ihrer Existenz,  Meine Eltern hatten Angst vorm Krieg und wir haben Angst unsere angehäuften Gelder zu verlieren. Aber die grösste Angst haben die Reichen. Es könnte ja eine Inflation kommen, dann wäre das ganze «schöne» Geld gar nichts mehr wert.

 

Aber wir haben auch Angst nicht gesund zu sein. Ist das nicht egoistisch. Unsere Vorfahren lebten auf derselben Welt und waren bestimmt nicht gesünder und dümmer als wir. Aber sie waren viel ärmer und trotzdem haben sie diese Zeit überstanden. Denn es gab viel weniger Informationen über das Geschehen in der Welt, deshalb waren sie über die ganzen Katastrophen dieser Welt nicht informiert. Welch ein Vorteil, sie lebten von der Hand in den Mund und wer zu wenig hatte starb einfach. Man muss sich mal vor Augen halten, das ist erst 100 Jahre her.

 

Heute ärgert man sich über den verspäteten Zug, denn die geplanten Aufträge gehen eventuell verloren. Geld ist das neue Ziel geworden und die Familie und Menschlichkeit ist nur noch Fassade.  Aber wenn plötzlich kein Geld mehr sprudelt, sind plötzlich alle anderen schuld. NUR ICH nicht. Das ist nicht nur Egoismus, das ist fahrlässig, Denn 96% der Menschen sind von den 4% Reichen abhängig. Die Schere Arm/Reich wurde immer grösser. Das war eigentlich schon immer so, aber nie wurde unsere Welt so ausgeplündert wie jetzt. Und die Erde rächt sich, lebenswichtige Elemente (ich kann leider nicht sagen welche) wurden abgetragen und zerstört. Gewinner solcher Taten waren die Reichen, denn sie profitierten von diesen Rohstoffen.

 

Ich möchte nun zur Epilepsie kommen und natürlich auch zu anderen Kankheiten,  dieses Thema betrifft uns ja alle. Der ein oder andere hat regelmässig Anfälle, oder er ist durch gute Medikamente anfallsfrei. Aber gerade diese Medikamente sind jetzt fast nicht mehr lieferbar, denn Engpässe entstehen durch nicht vorhersehbare Katastrophen. Die Länder die alles billiger liefern konnten, sind genauso betroffen wie wir. Sie können nicht mehr liefern, weil ihre Leute krank sind.  Wir werden Generika nehmen müssen und unweigerlich unser Leben ändern. Da kann kein Forscher oder Professor etwas ändern. Ihnen sind ihre Grenzen aufgezeigt und man sieht, wie klein die Möglichkeiten der Menschheit ist.

 

Wir alle werden nun zusammenrücken müssen und für den Nächsten da sein. Trotz harten Regeln, sei es Ausgehverbot oder Abstand halten, werden wir eine ganz neue Lebensweise einschlagen müssen. In der Not kann schönes passieren, wenn auch die meissten Geschäfte schliessen. Aber erfinderisch für neue Wege, Hilfsbereitschaft und Fürsorge; Das ist jetzt dringend gefragt. Endlich ist Vater / Mutter wieder den ganzen Tag zuhause, man wird sich um das wesentliche kümmern müssen. Und gerade jetzt zeigt sich unsere wahre Stärke, wir sorgen uns um die Kinder und um das ganze Familienleben. Kein Hamsterrad im Geschäft für Mutter oder Vater, keine  Kindertagesstätte für die Kinder. Jetzt sind wir gefragt, können wir sozial miteinander umgehen ohne zu streiten oder Schuldzuweisungen zu geben? Die Wohnung endlich richtig auf Vordermann bringen, mit den Kindern spielen und viel Zeit mit Ihnen zu verbringen.

 

14 Tage in der Wohnung wegen Coronavirus-Verdachts?  Mit Kindern im Kindergarten- oder Grundschulalter kann die Quarantäne eine Herausforderung sein.  Wenn es sein muss, wird zu Hause gelernt. Eine Fitnesstrainern spornt uns im Fernsehen auf, Gymnastikübungen zu machen. Laufen und Spielen im Park fällt derzeit aus. Die Kinder hüpfen auf dem Trampolin. Das ist hilfreich in der Quarantäne.

 

Als ich von der Anordnung erfahre, stehe ich zufällig im Supermarkt. Kauf lieber ein bisschen mehr", sage ich zu mir, ratlos stehe ich vor dem Müsliregal, Hamsterkäufe? Gibt’s bei uns nicht, trotzdem räume ich den Einkaufswagen voll, bis er fast überquillt. Wegen ein paar Kleinigkeiten möchte ich die Nachbarn nicht gleich um Hilfe bitten. Unsere beiden Kinder sollen ja nicht hungern, sie dürfen ja die Wohnung ab sofort nicht mehr verlassen.

 

Mit einem Gefühl der Beklemmung schließe ich dann die Wohnungstür auf. Es wird für 14 Tage das letzte Mal gewesen sein, dass ich draußen war. Dass ich selbst eingekauft habe, ohne Angst oder Vorsicht.

 

Auf einmal ist Zeit da - zum Spielen, Backen, Pflanzen. Frische Luft auf dem Balkon - und Spaß mit der Sprühflasche voll Wasser. Den Pflanzen beim Wachsen zusehen: Mit Kresse können sich Kinder gut als Hobbygärtner versuchen. Andererseits haben wir jetzt etwas, das uns sonst immer fehlt: ZEIT. Wir erinnern uns, dass unsere Erde eigentlich der Mittelpunkt unseres Lebens ist. Wir können den Rasen umgraben und einen schönen Garten anlegen. Tomaten, gelbe Rüben, Kopfsalat und Bohnen können nun für Leib und Wohl sorgen. Biologisch und frei von Zusatzstoffen, aber es ist mit Arbeit verbunden. Mit anderer Arbeit als wir sie bisher hatten.

 

Termine im normalen Geschäft sind abgesagt, die Arbeit ruht. Schon formen sich die ersten Ideen, wie wir die Zeit verbringen können. Wir telefonieren mit Bekannten und Verwandten, sogar Briefe werden geschrieben Wir stellen einen neuen Stundenplan für die Schule zu Hause auf.  Gemeinsam backen wir Brot, tanzen und spielen, grillen auf dem Balkon. Wir haben sehr viel Glück, denke ich oft. Freunde, Nachbarn und Verwandte bieten Hilfe beim Einkaufen an, oder haben ein offenes Ohr für Neuigkeiten. Eine Nachbarin bringt spontan einen Strauß Tulpen vorbei. Ich wollte mich mit einer Kleinigkeit bedanken, aber sie sagte nur: Ihre glücklichen Augen reichen mir. Ist das nicht schön?

 

Diese Quarantäne werden wir nicht vergessen, aber hoffentlich in positiver Erinnerung behalten.

 

Bleibt alle gesund

 

Euer Dieter

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Anja (Montag, 30 März 2020 09:39)

    Ich war letzte Woche im Krankenhaus und die Schwester erzahlte mir, dass sich 300 Freiwillige gemeldet hätten, um dem medizinischen Personal unter die Arme zu greifen. Das hat mich tief beeindruckt und ich hoffe, dass diese Solidarität noch sehr viel länger anhält, als die Erinnerung an dieses Virus.

  • #2

    Christine Waldner (Donnerstag, 02 April 2020 18:50)

    Zusammenrücken ist nicht immer einfach. Wird so mancher Mensch nur als Wirtschaftsfaktor gesehen. Kranke Menschen haben es daher in dieser Krise noch schwieriger weil sie nicht zum Nützlichkeitsfaktor gehören.
    Wer gesund ist und im Moment arbeitslos der könnte auch einer anderen Arbeit nachgehen. Dringend werden Leute für die Feldarbeit gebraucht. Da gibt es dann soziale Kontakte beim Verzehr des mitgebrachten Butterbrots. Etwas Bewegung würde ihrem Rücken auch gut tun. Den ganzen Tag nur sitzen ist sowieso nicht gesund.
    Ich habe mich schon immer allein unterhalten müssen. Für mich ist Distanz zu manchen Menschen sehr erholsam. Wünsche mir ein Umdenken, dass die Würde des Menschen mehr Beachtung bekommt. Der Mensch nicht nur als Wirtschaftsfaktor gesehen wird. Ein Wunschtraum?

  • #3

    Dieter (Freitag, 03 April 2020 08:50)

    Danke für die Einträge, ich denke auch dass die Bevölkerung sehr verunsichert ist. Aber hier im Blog zu schreiben kann schon eine kleine Abwechslunng sein, denn jede Beschäftigung und sei sie noch so klein, gibt andere Gedanken und das ist gut so. Anja, Hilfe und Solidarität im K.H. und nicht nur da, ist ganz hervorragend. Super.... Christine, Deine Aengste sind leider nicht zu übersehen, Alte und kranke Menschen sind sehr gefährdet. Aber meine Frau und ich sind auch alt, wir sind bis jetzt verschont geblieben. Bewegung und ein bisschen Frischliut kann uns viel helfen, auch lesen spielen und Gymnastik (so gut es eben geht) ist für uns eine Abwechslung. Aber es gibt eben Leute die das nicht mehr können, die haben da grössere Probleme. Ich wüsche euch allen gute Gesundheit und Zuversicht, es wird alles wieder gut,
    ganz liebe Grüsse von Lore und mir