Wird Epilepsie jemals heilbar sein?

Ich weiß nicht ob ich als Laie solch eine Frage stellen darf, sie ist zwar provokant und vielleicht auch für einige demoralisierend. Ich möchte keinen erschrecken oder verunsichern, aber gerade solche Fragen interessieren mich und das will ich nach meinen Erfahrungen hier niederschreiben.

 

Hellseher bin ich natürlich nicht, aber ich kann die derzeitigen medizinischen Grenzen aufzeigen. Für den Neurologen/Epileptologen ist das natürlich das höchste Ziel Anfallsfreiheit oder sogar Heilung zu erzielen, aber hier sind beinahe unüberwindliche Grenzen gesetzt. Wie kann dieses Ziel bei einer neurologischen Erkrankung wie der Epilepsie erreicht werden? Kann man überhaupt wieder ganz gesund werden?

Ich habe inzwischen selbst seit 62 Jahren Epilepsie und kann deshalb auch einiges über Diagnosen und Behandlungen erzählen. In der Zeit haben die Wissenschaftler zwar sehr viel Arzneien erforscht und entwickelt, doch wirkliche Verbesserungen (bei der Anfallsfreiheit) gab es bislang noch nicht. Trotz bester Untersuchungsmöglichkeiten und neuesten Operationsmöglichkeiten sind die Erfolge eher mager. Ich selbst bin nahezu anfallsfrei, aber die Nebenwirkungen (Taubheit in Händen und Zehen, Kraftlosigkeit) werden schleichend immer mehr. Natürlich haben sich die Nebenwirkungen im Vergleich zu früher stark vermindert, aber die Anfallsfreiheit selbst stagniert eher. Es gibt zwar einzelne Erfolge, die bei wenigen speziellen Fällen helfen, doch das ist die Ausnahme und kann nur punktuell angewendet werden. Das muß für die Forscher und Ärzte ganz schön frustrierend sein, denn sie suchen ja in einem riesigen immer noch unbekannten Gebiet. Unser Gehirn ist halt ein großes Wunder, dass der Mensch noch nicht erforscht hat.

Hier sind Erfahrungen von Epilepsiespezialisten:

Ab wann gilt eine Epilepsie als geheilt?                                                                            Von Heilung könnte gesprochen werden wenn mit hoher oder sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine weiteren Anfälle mehr zu erwarten sind. Dies ist nach langer anfallsfreier Zeit möglich, die man nicht kürzer als 2 Jahre und nicht länger als 5 Jahre ansetzen würde. Dabei kann der Vorbehalt gemacht werden, dass die Medikamente abgesetzt sein müssen, bevor man Heilung annimmt. Bis dahin könnte von einer bedingten Heilung gesprochen werden. Wenn man dies berücksichtigen will, muss ein zweites Zeitkriterium der Anfallsfreiheit ohne Medikamente eingeführt werden, das man sinnvollerweise mit 1 Jahr ansetzen könnte.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass es eine gültige Definition von Heilung einer Epilepsie nicht gibt.

Quelle: Prof. Dr. Peter Wolf, Bielefeld-Bethel, Institut für Interdisziplinäre Epilepsieforschung, Dezember 2009            Beirat: Prof. Dr. A. Schulze-Bonhage, Neurozentrum Freiburg

Die Anfallsfreiheit ist das Ziel der Epilepsie-Behandlung. Ärzte sprechen von Anfallsfreiheit, wenn bei einem Patient innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren kein epileptischer Anfall mit Medikamenteneinnahme aufgetreten ist.                                                                                Eine Heilung liegt aus medizinischer Sicht vor, wenn der Patient die Medikamente abgesetzt hat, ohne dass ein epileptischer Anfall aufgetreten ist. Voraussetzung hierfür ist die schrittweise Reduzierung bis hin zum vollständigen Absetzen der Medikamente unter ärztlicher Beobachtung, Es gibt in der Tat Epilepsien, die ausgeheilt werden können. (Rolando-Epilepsie). Doch bei einem Großteil der im Erwachsenenalter beginnenden Epilepsie-Erkrankungen ist dies jedoch leider nicht der Fall.Auf die ärztliche Betreuung sollte der Patient natürlich auch dann nicht verzichten, wenn er über einen längeren Zeitraum keinen epileptischen Anfall hatte. Dies gilt auch, wenn dabei keine Einnahme von Medikamenten mehr notwendig ist und somit eine Heilung vorliegt. Auch dann können Rückfälle in Form eines erneuten Auftretens epileptischer Anfälle nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Quelle: www.epilepsie-gut-behandeln.de

Dies sind Feststellungen des heutigen Standes der Epilepsieforschung. Es wird natürlich immer weiter geforscht, vielleicht kommt irgendwann einmal der ersehnte Durchbruch.

Die traditionelle Naturheilmedizin und modernste Forschung der Schulmedizin auf innovative Weise miteinander zu verbinden wäre doch ein ungemeiner Fortschritt für uns Patienten, aber das ist scheinbar nicht möglich. Es gehen sehr viele Patienten zum Homöopathen, wenns auch sehr teuer ist. Auch Heipraktiker machen ihre Geschäfte. Man kann nur ahnen, wieviel Geld all diese "Ärzte" mit der Epilepsie verdienen. Es hat den Anschein, dass beide Sparten nur eins im Blick haben: Viel Geld zu verdienen, egal ob der Patient profitiert oder nicht. Der Eid des Hyppokrates ist hier nicht so wichtig und wird von den meisten Ärzten heute nicht mehr geleistet. Was läuft da schief?

 

Massive Nebenwirkungen und mangelndes Vertrauen bringen die Schulmedizin immer mehr in eine Sackgasse. Immer mehr Forscher interessieren sich deshalb für die Wiirkprinzipien traditioneller Heilverfahren. Cannabis wird inzwischen wieder ernsthaft in der Schulmedizin erwähnt. Das seien doch Hausmittelchen, ohne wissenschaftliche Basis, glauben viele Ärzte. Das hat sich inzwischen geändert. Man darf aber trotzdem nicht vergessen, dass alternative Medizin natürlich auch Nebenwirkungen hat. Erwiesen ist, dass die alternative Behandlung der Schulmedizin nur unterstützend wirken kann.

 

Ich bin kein Arzt und will auch keinem zwischenreinreden, aber ich gehe inzwischen zu einem Arzt meines Vertrauens. Der sagt mir ehrlich die Grenzen der Epilepsie-Therapie auf, vor so einem Arzt kann man nur den Hut ziehen. Denn er ist zu seinen Patienten ehrlich und verspricht keine Wunder. Was hier allerding fehlt, ist die spezielle Beratung und indviduelle Besprechung der Epilepsiebehandlung. Man sollte sich mehr Zeit nehmen und mit dem Patienten vertauenswürdig reden. Das ist nämlich der große Unterschied zwischen einer medizinischen und einer alternativen Behandlung Denn die größte Koryphäe ist auch nur ein Mensch, sie leisten hervorragende Arbeit. Aber wenn die Grenzen für die Behandlung erreicht sind, ist auch hier das Ende der Fahnenstange erreicht.

Götter in Weiß sind Gott sei Dank Legende, dem Internet sei Dank, denn dort kann sich jeder bei seriösen Seiten gut informieren. Erwähnenswert ist noch die Behandlung bei dissoziativen (psychogene, nicht epileptische) Anfällen. Hier sind für den Arzt fast keine Behandlungsmöglich-keiten gegeben, psychologische Behandlung ist hier nötig.

Zum Schluß will ich noch erwähnen, dass dieser Beitrag keinerlei medizinischen Anspruch hat. Ich habe lediglich meine eigenen Kenntnisse dargestellt und ich wäre sehr froh und dankbar, wenn fehlende Informationen in der unteren Diskussionsspalte angesprochen werden.

 

Einen vertrauensvollen, ehrlichen Arzt wünscht Euch

 

Dieter Schmidt

 

 

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